9  Sulzfeldbewässerung

Hierbei handelt es sich um ein Bewässerungssystem, das den Futterertrag der Stühlinger Landwirte merklich erhöhte. Bis sich das Wasser in die Gewanne “Agi“ und „Sulzfeld“ ergoss, galt es allerdings viele Unannehmlichkeiten zu überwinden.

Trotz Sachbeschädigungen, zähen Verhandlungen und diversen Intrigen wurde 1832 für die Bewässerungsanlage bei der „Schallerei“ (Zwirnerei an der Wutach) ein Wehr errichtet. Von dort leitete man das Wasser mittels diverser Schieber, sogenannter Fallen, durch einen Graben ins Sulzfeld. Dann wurde das begehrte Nass auf die einzelnen Wiesen verteilt. Die Landwirte gründeten eine eigene Wassergenossenschaft, die über 80 Jahre hinweg die Wasserzufuhr für jedes Feld genau regelte. 

Ein Hochwasser im Winter 1919/20 brachte das Aus für die Anlage, die schon bald verfiel. 2013 erweckte sie Engelbert Klösel, Fachwart Heimatpflege des Schwarzwaldvereins, mit handwerklich versierten Helfern aus dem Dornröschenschlaf. Sie rekonstruierten Graben, Bogenbrücke, Stellfalle und Schleuse. Historische Karten halfen bei der Umsetzung. 2019 wurde die Anlage durch ein Wehr ergänzt. 

Die einst bewässerten Wiesen werden seit langem von der Bundesstraße durchschnitten. Ein Teil des Sulzfeldes verwandelte sich in das Stühlinger Gewerbegebiet, dem es auch den Namen gab.

 

Bewässerungssystem Sulzfeld

Um 1800 hatte Stühlingen nur 102 Jauchert Wiesen, aber 2004 Jauchert Ackerland. Ein Jauchert betrug zu dieser Zeit etwa 32 Ar.  Als die Bauern von der Weidewirtschaft zur Stallfütterung übergehen wollten, war guter Rat teuer. Um den Plan umsetzen zu können, brauchte es mehr Futter. Diesem Mangel sollte mit der Schaffung von Wässerungswiesen abgeholfen werden. Hiermit wurde das erste Kapitel der Bewässerungsanlagen in den Gewannen „Sulzfeld“ und „Agi“ aufgeschlagen. 

Der frühere Stühlinger Bürgermeister (1949 – 1952) und Ehrenbürger Jakob Limberger beschäftigte sich in seinen Forschungen mit diesem Gemeinschaftsprojekt. Er fand heraus, dass der Stühlinger Geometer Johann Michael Mayer, der bereits in Eggingen und Eberfingen entsprechende Erfahrungen gesammelt hatte, mit Planung und Durchführung beauftragt wurde. Dies war keine einfache und schon gar keine gewinnträchtige  Aufgabe, zeichnete sich doch eine größere Gruppe der Stühlinger Landwirte durch Uneinigkeit und Missgunst aus. Nicht alle waren bereit, die errechneten 17 Gulden 24 Kreuzer pro Kopf für Planung und Baulichkeiten zu übernehmen. Auch die Floßgesellschaft, die die Wutach für ihre Zwecke nutzte, stellte sich gegen das Projekt. Trotz Sachbeschädigungen, zähen Verhandlungen und diversen Intrigen wurde 1832 für die Bewässerungsanlage bei der „Schallerei“ (Zwirnerei an der Wutach) ein Wehr errichtet. Von dort leitete man das Wasser mittels diverser Schieber, sogenannter Fallen, durch einen Graben ins Sulzfeld. Dann wurde das begehrte Nass auf die einzelnen Wiesen verteilt. Bereits 1837 beschädigte ein Hochwasser die Anlage stark. 

Aber nach der Renovierung stellte sich der erwünschte Erfolg ein. Jakob Limberger hielt fest: „Wenn  auch die Wässerungseinrichtung am Anfang unter keinem guten Stern zustande kam, so hat sie doch über 80 Jahre lang ihrem Zweck gedient und dazu beigetragen, den Ertrag der Wiesen um ein Drittel zu steigern.“ Die Bauern gründeten eine eigene Wassergenossenschaft, die die Wasserzufuhr für jedes Feld genau regelte. Chronist Limberger berichtet allerdings auch von unerquicklichen „Reibereien“, weil sich die Nutzer das Wasser untereinander wegnahmen. 

Ein weiteres Hochwasser im Winter 1919/20 brachte das Aus für die Bewässerungsanlage. Es riss das ganze Wehr und einen Teil des Kanals weg. Steigende Preise, Inflation, eine Zuschussverweigerung durch die Gemeinde, all dies konnten die Besitzer der Wiesen nicht bewältigen. So verfiel die Anlage, die Gräben wurden zugeschüttet. 

Die einst bewässerten Wiesen werden seit langem durch die Bundesstraße durchschnitten. Ein Teil des Sulzfeldes verwandelte sich in das Stühlinger Gewerbegebiet, dem es auch den Namen gab. Ihm gegenüber liegt der Parkplatz, von dem aus sich der Wanderer das weitläufige Wegesystem des Schinderwalds bestens erschließen kann.

(Text: Jutta Binner-Schwarz / Quelle: Jakob Limberger, Sulzfeld-Wässerung)

 

Rekonstruktion der Anlage

Im Sommer 2013 weckte Engelbert Klösel, Fachwart Heimatpflege des Schwarzwaldvereins, Überreste der Bewässerungsanlage aus dem Dornröschenschlaf. Gemeinsam mit Rudolf Zolg, Heiner Duttlinger und dem städtischen Bauhof nahm er sich des verwunschenen Bauwerks und des angegliederten Grabens an. Weit über hundert Arbeitsstunden wendeten sie auf, um die aus Tuffstein gefertigte Bogenbrücke zu restaurieren. Gleichzeitig legten sie den alten Kanal frei und rekonstruierten die Stellfallen. Historische Karten halfen bei der Umsetzung. Zu Klösels großer Freude entdeckte er eine alte Postkarte von Stühlingen, auf der ein Wässerungsgraben mit Stellfalle zu sehen ist.   

2019 nahmen Klösel mit seinen Unterstützern Johann Ponsold und Siegfried Amann den Bau eines Wehres in Angriff. Die Bearbeitung des Holzmaterials lag in den Händen des städtischen Bauhofs. Die einst bewässerten Wiesen werden seit langem durch die Bundesstraße durchschnitten. Ein Teil des Sulzfeldes verwandelte sich in das Stühlinger Gewerbegebiet, dem es auch den Namen gab. Ihm gegenüber liegt der Parkplatz, von dem aus sich der Wanderer das weitläufige Wegesystem des Schinderwalds bestens erschließen kann.

(Text: Jutta Binner-Schwarz)

 

Sulzfeld-Wässerung Stühlingen (urprünglicher Schildertext vor Ort)

Um 1800 hatte Stühlingen nur 102 Jauchert (ca.35 ha) Wiesen und 2004 Jauchert (ca..700ha) Ackerland. Man wollte von der Weidewirtschaft auf die Stallwirtschaft umstellen. 1829 kam es zu einer Abstimmung und die Wassergenossenschaft wurde gegründet.

Da es sich im Wutachtal angeboten hat, wurden bereits durch Herrn Geometer Jochen Michael Mayer von Stühlingen die Gemeinschaftswässerungen in Eberfingen (Agi) und Untereggingen (Augi) eingerichtet.

In Stühlingen wurde hinter der Schallerei  (heutige Zwirnerei an der Wutach) ein Wehr erstellt. Das Wasser wurde über einen Graben bis  in das Sulzfeld (heutige Stühlinger Gewerbegebiet) geleitet. Zum Teil sind heute noch Vertiefungen dieses Grabens erkennbar.  Als Kosten wurden 1392 fl (Gulden) angesetzt.

Von 1931 bis 1833 erfolgten die Bauarbeiten. Am 1.Mai 1833 hat die Bauinspektion das Bauvorhaben als ein gelungenes Projekt bezeichnet. 

Bei einem Hochwasser im Jahre 1837 wurde das Wehr sehr stark beschädigt.

Das Wehr wurde wieder repariert und tat in den nächsten 80 Jahren seinen Zweck bis im Jahre 1919/1920 durch ein erneutes Hochwasser das ganze Wehr und ein Teil des Kanals weggerissen wurden.

Die damals beginnende Inflation machte eine erneute Finanzierung unmöglich. Zuschüsse wurden nicht gewährt. Die Wässerungsgräben zerfielen und als die Hoffnung auf eine neue Einrichtung schwand wurden die Gräben zum Teil zugeworfen. In der Zwischenzeit hatte ein späteres Hochwasser den Kanal beim „Ränkle“ ganz weg gespült. 

In einer letzten Genossenschaftsversammlung am 29.01.1937 wurde die Auflösung der Genossenschaft beschlossen.

Als einziger Überrest, sind die hier noch vorhandene Tuffsteinbogenbrücke und die Planunterlagen vorhanden. Die Bogenbrücke wurde von Herrn Duttlinger aus  Riedern am Wald wieder  Restauriert. Wahrscheinlich hat die Brücke nicht mehr die originale Breite. Denn als im Jahre 2013  die Bogenbrücke durch die Stadt Stühlingen freigelegt wurde, hatte eine große Linde ein Teil der Brücke mit ihren Wurzeln zerstört.

Um zu veranschaulichen wie eine  Wasserregulierung anno dazumal gemacht wurde, haben Herr Rudi Zolg aus Schwaningen und Herr Engelbert Klösel aus Stühlingen zwei Stellfallen nachgebaut und diese am 29.08.2013 installiert. 

Die vorhandenen Pläne haben wir  aus dem Landesarchiv Baden Württemberg Staatsarchiv  Freiburg.

Mit der Bewilligung Nr.G29/9 Nr. 697 und 698  dürfen diese Pläne hier veröffentlicht werden.

Ein Dank gilt 

dem Schwarzwaldverein Ortgruppe Stühlingen

 der Stadt Stühlingen vor allem dem Bauhof für ihre Unterstützung

dem Landratsamt Waldshut Tiengen

der Familie Büche /Leutze (ebenfalls für die Bewilligung die Pläne zu veröffentlichen)

Herrn Rudi Zolg Schwaningen

Herrn Heiner Duttlinger Riedern am Wald

Quellenangaben: Text stellt ein Auszug aus einem Beitrag über die Wiesenwässerung von Jakob,Limberger (ehemaliger Bürgermeister) 04.12.1970 / Pläne: Landesarchiv Baden Württemberg Staatsarchiv  Freiburg  / (Text: Engelbert Klösel, 2014)

 

Bewässerungssysteme im Wutachtal bei Stühlingen Eberfingen

Wie bereits im Bericht von Jakob Limberger aus dem Jahre 1970 erwähnt wurde die Nahrung für steigende Anzahl an Milchwirtschaft knapp. Überall wurden  schon viel früher Entwässerungs- und Bewässerungssysteme angelegt. Im Bereich von Stühlingen-Eberfingen gab es folgende Bewässerungskanäle:

Sulzfeldwässerung  

1832 von der heutigen Zwirnerei an  der Wutach, bis in das heutige Industriegebiet. Es sind nur noch wenige Untiefen erkennbar.

Agiwässerung 

Wann diese angelegt wurde ist mir nicht bekannt. Muss jedoch im Bereich  des heutigen Industriegebiets das Wasser aus der Wutach entnommen worden sein. Der  Kanal führte parallel links der Wutach  (in Fliesrichtung) bis Sie unterhalb der Ziegelhütte die dortigen Felder mit Wasser  versorgte.  Die Versorgung reichte bis zu den Erlenwiesen auf höhe Mitte von Eberfingen. 

Augifelder

Diese Felder wurden ebenfalls bewässert.

Moosbrunnenwiesenbewässerung  (Platzwiesen)

Im Jahre 1834 haben sich die Besitzer der Moosbrunnenwiesen entschieden ihre Wiesen zu bewässern. Auch heute noch befindet sich im Wasserrechts-Buch ein Eintrag. Jedoch sind nicht mehr alle Wiesen wie früher bewässert. Ein Teil dieser Wiesenwässerung wurde durch den Neubau der B314 abgeschnitten. Man erkennt jedoch heute noch ein Teil der Gräben u.Vertiefungen. In einem Waldstück nahe der Gemeindegrenze Stühlingen Eggingen befindet sich sogar noch eine Brücke über diesen Bewässerungsgraben. 

(Text: Engelbert Klösel, 2014, siehe auch den Eintrag unter der Rubrik Denkmal-Arbeit)